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Geschichte

Waldulm

Waldulm wurde als "universitas de walulma" erstmals urkundlich am 29. Juli 1244 erwähnt, als in einem Streit zwischen der Gemeinde und dem Kloster Allerheiligen um ein Fleckchen Wald und beiliegenden Gütern das Metropolitangericht zu Mainz entscheiden musste.

Über Jahrhunderte hindurch bildete der Waldulmer Kirchspielspruch von 1507 die Grundlage des Zusammenlebens in der Gemeinschaft. Darin waren die Rechte und Pflichten des Vorgesetzten und Untertanen festgeschrieben. Alleiniger Landesherr war der jeweilige Bischof zu Straßburg. Kriege, Hexenwahn und Notzeiten führten immer wieder zu einem krassen Rückgang der Bevölkerungszahlen. In wirtschaftlich schlechten Zeiten waren auch zahlreiche Auswanderungen zu verzeichnen.

Im Wandel der Zeiten spielten Granitgestein sowie Obst- und Weinbau eine immer wichtiger werdende Lebensgrundlage für die Einwohner. Dies kommt auch im Ortswappen zum Ausdruck, bei dem im unteren Feld der Buchstabe W gezeigt wird und im oberen gespaltenen Wappenschild ein Arm mit Winzermesser und eine Traube zu sehen sind.

Waldulmer Granit

Die Gemarkung Waldulm war einst reich bestückt mit oberirdischen Felsen der verschiedensten Größen. Auf manchen Fluren lagen diese Findlinge so eng gestreut, als hätten Riesenkinder mit ihnen Murmel gespielt und sie beim Weggehen einfach liegen gelassen. Während die einen Granitmassive wegen ihres figürlichen Aussehens im Volksmund besondere Namen erhielten, haben sich um andere Sagen gesponnen, wieder andere dieser Steine haben Flurnamen mitgeprägt.

Die Aufzeichnungen des Jahres 1674 weisen erstmals einen berufsmäßigen, ausgebildeten "Steinmetz" zu Waldulm aus. Es ist Adamus Brem aus Rirrweiler bei Neustadt (Pfalz), der sich mit seiner Frau Maria "vom Krieg vertrieben und verarmt" in Waldulm niederlässt, um Arbeit und Brot zu finden.

Im folgenden Jahrhundert wird dann zu Waldulm schon eine beachtliche Anzahl an Berufen angegeben, die mit Steinen und ihrer Weiterverarbeitung zu tun haben: Steinsprenger, -brecher, -klopfer und -hauer!

Um 1900 herum zählte man 60-70 Steinarbeiter, welche über die Sommermonate hinweg in den Waldulmer Steinbrüchen tätig waren. Hauptsächlich waren es Italiener aus dem Gebiet des Lago Maggiore und Steinmetze aus Bayern.

Waldulmer Granit fand Verwendung beim Bau mehrerer Rheinbrücken und wurde auch bei Befestigungsbauten in Metz und Straßburg verwendet. Doch die berühmtesten Monumente aus Waldulmer Granit sind das Kaiser-Wilhem-Denkmal zu Koblenz (1897) und das Bismarck-Denkmal in Hamburg (1906).

Heute gibt es in Waldulm keine Brüche mehr, in denen Granit abgebaut wird. Einzig im Bereich "Kleinwäldele" wird noch ein Steinbruch von der Familie Ossola betrieben, im dem Porphyr für den Straßenbau abgebaut wird.

Obstbau

Dass auch der Obstanbau eine lange Tradition hat, zeigen uns alte Zinsurkunden und Güterverschreibungen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Wird hier noch von "felds mit boumen" (Felder mit Bäumen) gesprochen, erfährt man später, dass es sich hauptsächlich um Kirschenbäume handelte.

Waren es damals noch Wildkirschen, die fast ausschließlich zum Brennen genutzt werden konnten, pflanzten 1747 Benediktinermönche des Klosters Schwarzach" unter dem Rebberg Obstbäume von guter Art". Mit den neuen Sorten begann auch die Vermarktung der Esskirschen. Diese kamen zumeist auf den Markt nach Oberkirch, aber auch im Württembergischen fanden die Waldulmer Kirschen guten Absatz.

Erst spätere Aufzeichnungen dokumentieren, dass auch andere Obstsorten gepflanzt wurden. So findet man auf den ausgedehnten Obstfeldern ein vielseitiges Angebot an Bäumen und Sträuchern mit den unterschiedlichsten Früchten. Neben Kirschen ergänzen heute Zwetschgen, Mirabellen, Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Johannisbeeren, Erdbeeren usw. das reichhaltige Sortiment des Obstbauern und bilden so ein zweites Standbein zu den Reben.

Weinbau

Die Geschichte von Waldulm ist eng mit dem Weinbau verbunden. Schon vor Jahrhunderten brachten ihn die Zisterzienserinnen des Klosters Lichtental in Baden-Baden aus dem Burgund in die Ortenau. Urkunden aus den Jahren 1346 und 1355 geben sicheren Nachweis über den frühen und traditionsreichen Weinbau zu Waldulm.

Oft wurden in der Geschichte Winzergenossenschaften in wirtschaftlichen Notzeiten gegründet. so auch in Waldulm. Von Krieg und Inflation gezeichnet waren die Winzer, als Wilhelm Fichter, katholischer Ortspfarrer, am 25 November 1928 die Initiative ergriff und mit 46 Rebbauern die Winzergenossenschaft Waldulm ins Leben rief.

Mit dem Beitritt der Winzer aus Mösbach erhielt die Winzergenossenschaft 1961 nochmals einen großen Anstieg an Rebfläche und Mitgliederzahl.

Mittlerweile umfasst die Winzergenossenschaft 220 Mitglieder und 115 Hektar Rebfläche, die sich auf die Gemarkungen Waldulm, Mösbach und Önsbach verteilen. Mit ca. 85 % besitzt der "Blaue Spätburgunder" auch heute noch den Hauptanteil im Waldulmer Weinsortiment und mit der Einzellagenbezeichnung "Pfarrberg" ist er weit über die Grenzen hinaus bekannt.

Auszug aus der Waldulmer Orts-Chronik von Adolf Hirth