Gemeinde Kappelrodeck

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Aktuelles aus dem Rathaus

Historischer Fund: Muss die Kappler Fastnacht neu geschrieben werden

„Die Kappler Fasnacht ist sehr alt, da gab´s noch Bären im Käferwald”. Historiker, Gelehrte und Brauchtumsforscher würden diesem närrischen Reim der Spezialmarke „Kappel“ nicht die geringste Chance geben, daraus das Gründungsdatum der Narrenzunft im Jahre 1811 abzuleiten. Erst recht reicht es nicht aus, dass sich das Gründungsjahr geheimnisvoll hinter einer „Schlaraff“ verbirgt, die Hex am Dasenstein die Ur-Mutter aller Schudis sein soll oder gar Napoleon daselbst mit den „Fronzose mit de rote Hose“ vor Ort war und die Fastnacht  feierlich ausrief. Oder gibt es doch jenen mystischen Stein mit der Zahl „1811“ irgendwo zwischen den Zinken Steinebach und Besenstiel? Fragen über Fragen kurz vor Dreikönig und damit dem Beginn der alemannischen Fastnacht, zu der die Schudihochburg einen Knaller der Extraklasse vermelden kann. „Ich war zwei Tage im Archiv der Gemeinde, habe gesucht und gesucht und im Ordner 111 habe ich es gefunden“. Was Carina Harms, Studentin an der Verwaltungshochschule, im „Gedächtnis der Gemeinde“ fand und damit Bürgermeister Stefan Hattenbach und Präsident Josef „Sepp“ Müller in allerhöchste Verzückung brachte, ist  heimatgeschichtlich eine Sensation. Denn die derzeitige Praktikantin fand tatsächlich jenes Dokument, das der anerkannte und akribisch arbeitende Heimatforscher Adolf Hirth 2011 in seiner Festansprache zum 200-jährigen Jubiläum der Narrenzunft als „Geschenk aus der Hinterhand“ erwähnte. Doch gesehen hat dieses verklausulierte Dokument bis heute niemand, nun tauchte es dank Carina Harms aus den Tiefen des Archivs auf und wird vom Bürgermeister gehütet wie sein eigener Augapfel. Denn bei dem Fund handelt es sich um einen offiziellen, amtlichen Rechnungsbeleg des Bürgermeisters Adam Meyer von 1734, in dem in sauberer Süttelin-Schrift klar und deutlich das Wort „Faßnacht“ niedergeschrieben ist. Wörtlich heißt es da: „Item ist ahn der Faßnacht ahn Zehrung uffgangen 3 Gulden 3 Schilling“. Diesen von „Schultes“ Meyer  eigenhändig unterzeichneten „Kassenbon“ interpretierte Adolf Hirth 2011 mit den Worten: „Die erste Nennung der Kappler Fasnacht war 1734 und damals zahlte die Gemeinde Bürgern ein Vesper und einen Umtrunk“. Der Ratschreiber von Schultes Meyer geht leider nicht näher auf die fröhlich zechenden Schudi ein, auch wird nicht gesagt, welchen Umfang und von welcher Art die „Zehrung“ war. Es lässt sich aber leicht ausmalen, dass schon damals die weinselige „Kappler“ Weisheit galt: „Man glaubt gar nicht, wieviel Menschen essen und trinken können, wenn es nichts kostet“. Dass sich die „Kappler“ Schultes in Sachen „Zehrung“ trotz schwieriger Lage und Entzug von Privilegien durch den Fürstbischof von Straßburg nicht lumpen ließen, ist in drei Rechnungsbüchern von 1730, 1734 und 1754/55 aufgelistet. Immer wieder taucht für Dienste und Aufgaben die Formulierung „Trunk Wein auf Gemeindekosten“ auf, der Pfarrer bekam einen Zuschuss für sein neues Messgewand und wer Botendienste zum Landesherrn machte, bekamen kräftig Spesen, zumal diese oft eine undankbare Aufgabe hatten und Proteste der Bürger überbringen mussten. Vom Holzmachen über Brunnen schöpfen bis zu Särgen für arme Leute gab es viele Anlässe, dass der Bürgermeister den Gemeindesäckel öffnete. Wen wunderte es da, dass in der „Nacht vor dem Fasten“, also der „Fastnacht“, auf Kosten der Gemeinde die Weinfässer angerollt und die Sau „gemetzt“ wurde, bevor sich dann die putzmunteren Zecher auf Gemeindekosten ab dem Aschermittwoch von jedweden fleischlichen Gelüste und weinseligen Freude enthielten.    
1734 und was nun? Was geschieht nun mit dem Datum 1734? Eine spannende Frage, über deren Lösung sich nun vom Schudivater Ludwig Kohler bis zum Präsidenten Josef „Sepp“ Müller alle Fastnachts-Experten die Köpfe verrenken dürfen. „Herr Müller, es könnte gut sein, das sie der erste Präsident sind, der das 200- und 300- jährige Jubiläum der Narrenzunft feiern darf“, so der Bürgermeister, als er dem Präsidenten eine Kopie des einzigartigen Dokuments überreichte. „Es freut mich riesig, dass die älteste Narrenzunft Mittelbadens jetzt noch älter ist“, so Stefan Hattenbach und gab damit Josef Müller eine närrische Steilvorlage. Der konnte sein Glück kaum fassen, schwenkte seinen roten Zylinder und ließ mitten in der Weihnachtszeit die „hoorige Katz“ miauen. Wie die Narrenzunft mit diesem Datum umgeht, ob sie umfirmiert von „1811“ auf „1734“ oder ob sie in 14 Jahren das 300. Jubiläum feiert, irgendetwas werden die Schudi-Experten schon ausbrüten. Fakt ist, es handelt sich um ein amtliches Dokument, unterschrieben von einem Bürgermeister und „abgesegnet“ von den örtlichen „Zwölfern des Bauerngerichtes“.  Von einem Zeitungsreporter, der 2011 beim Festbankett der Narrenzunft zugegen war, bekam Stefan Hattenbach der Wunsch zur Dokumentensuche innigst ans Herz gelegt. „Wir haben damals alle gehört, was Adolf Hirth ziemlich geheimnisvoll andeutete, aber wir haben den Hinweis nicht weiter verfolgt“, so der Bürgermeister. Nun begab er sich „ganz tief“ ins Archiv mit „Hunderten von Metern Büchern und Ordnern“, suchte selbst nach dem besagten Dokument, doch fündig wurde er nicht. Mehr Glück hatte dann Carina Harms, die sich zwar einem sehr gut sortierten Archiv gegenüber sah, aber längst nicht auf die Schnelle den Fund griffbereit hatte. Denn es sollte sich bei besagter Quelle um ein „schmales Büchlein“ handeln, in dem die Ausgaben von 1734 aufgelistet sind. „Für mein Studium kann ich die Suche in einem Archiv zwar nicht gebrauchen, aber es war sehr interessant“, so Carina Harms, die „schön geschriebene Sütterlin-Schrift“ gut lesen kann. Doch nicht jeder Schultes und Ratschreiber schrieb schön und so wurde die Suche zur Geduldprobe, bis tatsächlich der Ordner mit der „Schnapszahl“ 111 den Volltreffer brachte. 

Muss die Kappler Fastnacht neu geschrieben werden? Ein amtliches Dokument aus dem Gemeindearchiv belegt die Erstnennung der Fastnacht im Jahre 1734

Nach zwei Tagen intensive Suche im „Gedächtnis der Gemeinde“ fand die Studentin an der Verwaltungshochschule und derzeitige Praktikantin  Carina Harms die Bürgermeisterrechnungen aus dem Jahre 1734 – hier mit Präsident Josef „Sepp“ Müller und Bürgermeister Stefan Hattenbach

„Item ist ahn der Faßnacht ahn Zehrung uffgangen 3 Gulden 3 Schilling“ – hier steht es schwarz auf weiß